Hoffentlich wird es keine Liebe.
Weißt Du, wie das ist?
Ich saß an diesem mir so vertrauten Ort. Oft bin ich hier mit Freunden, um allein unter Vielen zu sein. Viele fremde Gesichter und Gläser, in die ich schon viel zu oft geblickt habe.
Du kommst herein. Ich nehme Dich zunächst nicht wahr. Versunken bin ich. In Gedanken, es sind stets die Gleichen und dennoch stellen sie mich immer wieder vor neue Herausforderungen.
Ich gönne mir eine Pause. Wieder schweift mein Blick durch den Raum und bleibt an Deinem Gesicht kleben. Es ist ein Lächeln, das meine Aufmerksamkeit erregt. Mein bester Freund, einem Bruder gleich, spricht mit mir, doch landen seine Worte einige Momente lang in der Bedeutungslosigkeit.
Du stehst auf, gehst in meine Richtung. Mein Herz poltert, es droht zu kollabieren und am Ende Deines Weges stehst Du genau vor mir, siehst mir in die Augen und lächelst.
Es ist zu spät. In diesem Augenblick habe ich den Entschluss gefasst, Dich zum Entschluss zu machen. Kaum noch kann ich meine Blicke von Dir abwenden. Eine Freundin ist bei Dir, doch ihr wechselt kaum Worte. Irgendwann, als der Barhocker neben mir frei wird, setzt Du Dich zu mir.
Wir stellen uns vor, tauschen Namen aus und ich lasse irgendetwas von mir bei Dir, dass nach dem Abschiednehmen ein Gefühl der Leere hinterlässt.
Der nächste Abend. Diesmal reden wir weniger. Ich will nicht reden, ich will Augenblicke. Du siehst in mein Gesicht, aber siehst mich nicht. Ich ringe um Aufmerksamkeit, oder will sie zumindest auf etwas lenken, dass Dir offensichtlich bisher verborgen blieb. Die Mühe lohnt sich, Du blickst tief hinein in diesen alten, müden und verlogenen Köter, der geliebt, gehasst, verletzt wurde und hat.
Zu schnell geht dieser Abend vorbei, zu müde sind wir vom Tag. Wir entschließen uns dazu, am kommenden Wochenende fortzusetzen, was wir längst begonnen haben.
Kein Kuss, nur Worte. Ich wusste schon gar nicht mehr, dass so etwas geht. Zu schnell ging immer alles in der Vergangenheit. Zu lieblos war das, aus dem man mühevoll erst Liebe machen musste. Zu viel Ficken, zu wenig Seele.
Nun liege ich hier, flehe das Leben an, dass es mir gibt, was ich nicht verdiene. Ich zügle mich, Dir all das nicht zu sagen, weil es übertrieben ist, weil es bedrohlich klingen muss, weil es mir selbst Angst bereitet.
Keine stundenlangen Telefonate. Nur Gedanken.
Ich schreibe Dir. Das zweite Mal in drei Tagen. Schließlich haben wir uns nur zweimal unterhalten, da will man ja nicht den Stalker raushängen lassen. Plötzlich sehe ich Deine Nummer auf meinem Handy und schon wieder gerate ich in diese Panik wie am ersten Abend.
Wir unterhalten uns kurz über Belanglosigkeiten, aber erkunden uns danach, wie es dem Anderen geht. Es könne sein, dass wir uns am Wochenende nicht sehen werden, sagst Du. Ich hasse mich dafür, dass ich schweige, dass ich Dir nicht sage, dass ich jede Sekunde jedes Tages seit dem letzten Blick in Deine Augen an das kommende Wochenende gedacht und vor allem darauf gehofft habe.
Nun muss ich weiter hoffen.
Ich wünsche Dir eine gute Nacht und schreibe diese Zeilen, wünsche mir, dass Du sie liest, aber das wirst Du nicht.
Ich wünsche mir, dass dieses Gefühl vorbei geht und ich wieder in die Belanglosigkeit abdrifte, mit der ich mich in den vergangenen Monaten zufrieden gegeben habe. Sie tut weniger weh.
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